Zwei Deutsche in Griechenland wegen Cannabishandel verurteilt

Auch die deutsche Botschaft ist mit dem Fall befasst

Zwei Deutsche in Griechenland wegen Cannabishandel verurteilt

Der Trend, Cannabis zu legalisieren, zieht sich durch alle westlichen Staaten. Und seit mit Belgien das erste Land in der EU die Legalisierung angekündigt hat, hoffen Menschen europaweit, dass es auch bei ihnen bald so weit sein wird.

Doch nicht überall ist die Diskussion so weit. In manchen EU-Staaten sind die Strafen für Delikte, die mit Cannabis in Zusammenhang stehen, existenzvernichtend hoch. Das zeigt auch das Beispiel zweier deutscher Brüder, die nun eine lebenslange Haftstrafe in Griechenland zu befürchten haben … 

Was sie genau getan haben und wieso das Strafmaß so hoch ist, lest ihr auf den nächsten Seiten.

Bereits im Oktober wurden die Geschwister von der griechischen Polizei nahe der Stadt Kavala festgenommen – die beiden hatten auf einem Bauernhof Cannabis angebaut. Bei der Razzia wurden schließlich über 100 Kilogramm unverarbeitetes Hanf, 80 Pflanzen sowie ein Kilogramm verarbeitete Blüten sichergestellt.

Im Gespräch mit VICE sprachen die Brüder über ihre Haftbedingungen im Gefängnis von Patras: Kleine Zellen für bis zu acht Häftlinge, Kakerlaken, Bettwanzen und Schimmel – und nun sollen sie lebenslänglich unter diesen Bedingungen einsitzen. Doch an dem Urteil gibt es einige Ungereimtheiten …

Weshalb sich nun auch das Auswärtige Amt mit dem Fall befasst, erfahrt ihr auf der folgenden Seite.

Zwei Deutsche in Griechenland wegen Cannabishandel verurteilt

Die 34- und 42-jährigen Brüder wurden am 18. Juni 2018 verurteilt: zu 100.000 Euro Strafe sowie 25 Jahren Gefängnis. Doch im Prozess spielten sich mehr als fragwürdige Szenen ab: Beide hatten nur einen gemeinsamen Rechtsanwalt zur Seite gestellt bekommen, ihre Dolmetscherin wurde von der zum Teil schreienden Richterin andauernd unterbrochen und kam mit ihrer Übersetzungsarbeit nicht hinterher und nach nur 20 Minuten Verhandlung und fünf Minuten Beratung stand das Urteil fest – das nur in griechischer Sprache verlesen wurde. All das widerspricht zum Teil EU-Recht oder ist zumindest rechtsstaatlich fragwürdig. Daher betreut nun auch die deutsche Botschaft in Athen den Fall. 

Müssen die beiden ihre Haft wirklich antreten? Lest weiter auf der letzten Seite.

Zwei Deutsche in Griechenland wegen Cannabishandel verurteilt

Die beiden deutschen Brüder haben nun Berufung eingelegt – bis darüber entschieden ist, ist das Urteil auch noch nicht rechtskräftig. Das bedeutet aber auch, dass sie weiterhin in Untersuchungshaft sitzen müssen. Besonders heikel an dem Urteil: Die beiden wurden wegen mehrfachem Handel verurteilt – wobei sie genau das bestritten haben und keine Beweise dafür sehen.

In Deutschland ist lebenslange Haft nur für Mord und Totschlag in besonders schweren Fällen vorgesehen – und erst Recht nicht für den Besitz oder Handel mit Cannabis. Damit stellen die Brüder, die ihre Strafe in Deutschland absitzen wollen – was grundsätzlich innerhalb der EU erlaubt ist – die Behörden vor eine Herausforderung.

Dieser Fall zeigt, wie uneins sich die Regierungen auch innerhalb der EU noch über den Umgang mit der Droge sind. In Deutschland werden verschiedene Legalisierungsmodelle momentan in Ausschüssen des Bundestags beraten.