Berliner Cyborg: Die extreme Welt von Arda Saatçi
Wie Arda Saatçi zur menschlichen Maschine wurde. Alles über die Willenskraft, das Training und die Denkweise des Extremsportlers aus Berlin.
Im Extremsport, wo Ikonen wie Felix Baumgartner († 2025) mit seinem Sprung aus der Stratosphäre 2012, Travis Pastrana 2006 mit dem ersten Double Backflip im Motocross oder Jonas Deichmann, der 2020-2021 mit seinem Triathlon um die Welt die Grenzen des Möglichen neu definierten, sorgte 2026 der Ultramarathon-Läufer Arda Saatçi für Aufsehen.
Allerdings nicht nur mit seinen Ultra-Läufen. Nur wenige Monate, nachdem er im Mai 2026 die Welt mit seinem 600-Kilometer-Lauf durch die brutale Hitze des Death Valley fesselte, tauscht der Sportler die extreme körperliche Ausdauer gegen eine völlig andere Art von Anspannung und wagt den Schritt in die Pariser Modewelt.
Aber beginnen wir von vorne. Wer ist der Mann, der solche Extreme schafft?:
Arda Saatçi: Auf der Suche nach mehr als nur einer Ziellinie
Laut Bild.de wollte Arda Saatçi, der in Berlin geboren und aufgewachsen ist, Fußballprofi werden. Früh begleitete den heute 29-Jährigen der Sport und er stand für die Berliner AK U19 und den SV Altlüdersdorf auf dem Platz. Doch dann zerplatzte der Traum vom Kicken. Dies hinterließ eine Lücke, aber auch den Anstoß für eine grundlegende Neuorientierung. Während er ein Studium der Betriebswirtschaftslehre begann, suchte er nach einem neuen Ventil für seine Energie und seinen Ehrgeiz. Er fand es in zwei neuen sportlichen Disziplinen: dem Boxen und vor allem dem Laufen. Was als Ausgleich begann, entwickelte sich schnell zu einer neuen, intensiven Leidenschaft. Das Laufen wurde zu einer Art Besessenheit; er begann, seinen Körper an neue Grenzen zu bringen, trainierte teilweise zweimal am Tag und dokumentierte seine Fortschritte und die zunehmend extremen Herausforderungen auf Instagram. Diese Phase des Umbruchs legte den Grundstein für seine spätere Bekanntheit, die spätestens seit seiner extremen Lauf-Challenge im Jahr 2024, als er von Berlin nach New York lief, enorm zunahm.
Arda Saatçi, der deutsche Cyborg
Der Extremsportler, auch bekannt als „Cyborg“, stellt seine scheinbar übermenschliche Ausdauer immer wieder unter Beweis. Nachdem er 2024 bereits 3.000 Kilometer von Berlin nach New York lief und in 2025 Japan von Norden nach Süden in 43 Tagen durchquerte, übertraf er sich ein Jahr später wieder selbst.
Beim „Red Bull Cyborg Season 26 – Ultra 600“ am 05. Mai 2026 lief er durch die sengende Hitze des Death Valley. Nach unglaublichen 123 Stunden und 21 Minuten erreichte er am 10. Mai das Ziel am Santa Monica Pier. Mit 606 Kilometern hatte er sein ursprüngliches Ziel sogar übertroffen, obwohl er sich nur Schlafpausen von 30 bis 90 Minuten gönnte. Zwar merkte man dem 29-Jährigen die schier unmenschlichen körperlichen Strapazen auf den letzten Metern sichtlich an, dennoch hatte der Ultrarunner selbst da noch eine Geschwindigkeit von sechs Kilometern pro Stunden.
Angetrieben wurde der Ultramarathon-Läufer unter anderem von einem Versprechen an seine Mutter: ein gemeinsames Eis am Muttertag, dem Tag seiner Ankunft. Millionen Fans verfolgten seinen Lauf im Livestream, was den Sportler tief bewegte: „Ich bin zutiefst berührt, unglaublich dankbar. Es ist ein riesiges Privileg, das hier erleben zu dürfen.“ Nach der Ankunft hatte er aber vor allem einen Wunsch: „Ich würde erst mal gerne duschen.“, wie Arda Saatçi Bild erzählte.
„Ich kämpfe nur gegen mich selbst.“
Arda Saatçi dokumentiert nicht nur seine Vorbereitungsphase auf Social Media und vor allem auf YouTube, sondern auch seine Läufe selbst. Seine tiefe Überzeugung dabei: „Ich kämpfe nur gegen mich selbst.“
Der 29-Jährige verkörpert die Maximen, die für andere nur Kalendersprüche sind: "Mind over matter", "hard work beats talent" – Der Ultra-Athlet lebt sie und beweist durch pure Willenskraft, was sie wirklich bedeuten.
Im Livestream schauten Hunderttausende Menschen überall auf der Welt zu, wie er durch die Wüste lief und waren beeindruckt von seiner Leistung. Der deutsche Boxer Agit Kabayel schreibt unter die Bilder von Arda „du bist eine große Inspiration für die Jugend“. Extremsportler Joey Kelley schließt sich der Begeisterung an: „Unglaubliche Leistung“. Auch deutsche Promis zeigen sich beeindruckt so zum Beispiel „Knossi“ Konssalla oder auch Rapper Luciano.
Gegenüber bild.de zeigte Arda nach dem Extrem-Lauf noch einmal seine Disziplin und sein Durchhaltevermögen: „In meinem Kopf war einfach nur: Egal wie – auch wenn die Kniescheibe rausspringt – renn einfach um dein Leben! Versuch, alles reinzuholen.“
Vom Extremsport auf den Laufsteg in Paris
In einem überraschenden Schritt, der ein Extrem durch ein anderes ersetzt, feierte Arda Saatçi sein Laufsteg-Debüt im September 2026 bei der „Paris Fashion Week“ für L'Oréal Paris. Obwohl er an extreme körperliche Belastungen gewöhnt ist, machte ihn diese neue Erfahrung sichtlich nervös. „Da war der Mann nervöser und angespannter als bei den 606km in der Wüste.“, bemerkt auch YouTuber Julyan Pohl unter seinem Instagram-Beitrag. Der Läufer selbst beschrieb es als „komplett neues Territorium, aber genau das reizt mich“.
Seine Entscheidung, das Angebot anzunehmen, traf der Ultramarathon-Läufer nach einer Nacht Bedenkzeit, denn er lässt „große Entscheidungen immer erst eine Nacht reifen“. Auf ein professionelles Laufstegtraining verzichtet er bewusst: „Ich gehe komplett Freestyle rein. Ich will einfach ich selbst sein.“ Seine Herangehensweise ist dieselbe wie im Sport: „Rausgehen, bei dir bleiben und zeigen, wer du bist.“
Obwohl er neben prominenten Models wie Heidi Klum und Kendall Jenner laufen wird, verspürt er keinen zusätzlichen Druck. „Ich fokussiere mich wie beim Sport auf mich selbst“, erklärt er. Dennoch würde er von der Erfahrung der Profis gerne lernen. Einer Model-Ikone wie Heidi Klum würde er die Frage stellen, „was in ihrem Kopf passiert, während sie läuft, und wie sie im Fokus bleibt.“ Er zieht dabei eine direkte Parallele zu seiner eigenen Disziplin: „Das ist beim Ultramarathon übrigens genau die gleiche Frage.“
Bei seinem Look gibt es jedoch eine klare Grenze: Seinen Bart würde er unter keinen Umständen abrasieren. Diese Haltung passt zu seiner Definition von Stärke, die für ihn bedeutet, „ehrlich zu sich zu sein“, nicht „perfekt zu wirken“. Ob weitere Model-Jobs folgen werden, lässt der Sportler offen: „Ich gehe mit offenem Herzen rein, und egal was danach kommt: Diesen Abend in Paris nehme ich mit.“